
Wir alle kennen sie. Sobald die Melodien von „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Veronika, der Lenz ist da“ erschallen, wollen sie die Ohrmuschel kaum noch verlassen. Als beliebtes Vokalensemble der Roaring Twenties lassen sich die Comedian Harmonists doch glatt als erste deutsche Boygroup bezeichnen. Im Jahr 2025 zählt die Bandgeschichte fast 100 Jahre, in diesen wurde viel spekuliert um Aufstieg, Verbot und Vermächtnis. Wir haben versucht, die wahre Geschichte der Comedian Harmonists aufzudröseln.
Die erste deutsche Boygroup
Die Comedian Harmonists waren ein berühmtes deutsches Vokalensemble der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre. Die Gruppe bestand aus sechs Mitgliedern – fünf Sänger: zwei Tenöre, ein Bariton, ein Bass und ein Klavierbegleiter – und wurde 1927 in Berlin gegründet. Diese waren Ari Leschnikoff, Erich A. Collin, Harry Frommermann, Roman Cycowski, Robert Biberti und Erwin Bootz. Ihr Stil kombinierte klassische Musik mit Swing, Jazz und humorvollen Elementen, oft mit raffinierter Vokalakrobatik und engem Satzgesang.
Sie lassen sich aus heutiger Sicht durchaus als erste deutsche Boygroup betrachten: Ihre internationalen Erfolge brachten das Sextett nämlich so weit, dass Auftritte über die Grenzen Deutschlands hinaus bis in die USA folgten. Kaum verwunderlich, denn großes Vorbild war die US-amerikanische jazzige Vokalgruppe The Revelers. Die Comedian Harmonists erfreuten sich größter Beliebtheit, als ihr Aufstieg durch das NS-Regime gestoppt wurde, da drei Mitglieder jüdischer Herkunft waren. 1935 wurde die Gruppe verboten – danach existierten getrennte Nachfolgegruppen im In- und Ausland.
„Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“
Selbst diejenigen, bei denen es beim Bandnamen noch nicht klingelt, werden die bekanntesten Lieder am Klang erkennen. „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Veronika, der Lenz ist da“, „Wochenend und Sonnenschein“ oder auch „Irgendwo auf der Welt“ klingen bis heute nach. Sie werden in Werbespots oder auf der großen Leinwand wiederbelebt, wie beispielsweise im Film „Comedian Harmonists“ (1997) von Joseph Vilsmaier.
Nachdem die Comedian Harmonists 1935 von den Nationalsozialisten verboten wurden, zerbrach die Originalbesetzung, und es bildeten sich zwei Nachfolgegruppen: Die „deutsche“ Gruppe in Berlin sowie die „jüdische“ Gruppe im Exil. Erstere gründeten unter dem Namen „Das Meistersextett“ eine neue Formation, die einen ähnlichen Stil, aber mit einem staatlich genehmigten Repertoire ohne jüdische oder amerikanische Einflüsse, bedienten. Sie lösten sich zu Kriegsbeginn auf.
Die drei verstoßenen Mitglieder – Frommermann, Collin und Cycowski – gingen ins Exil und gründeten in Wien und später in Paris eine neue Gruppe unter dem Namen „Comedian Harmonists“ beziehungsweise später „Comedy Harmonists“. Sie traten u. a. in Australien, Südamerika und den USA auf. Dennoch schlossen weder die eine noch die andere Gruppe an den früheren Ruhm an. Auch diese Gruppe zerfiel schließlich in den 1940er-Jahren.
Das Erbe der Comedian Harmonists
Ihr musikalisches Erbe lebt bis heute weiter, unter anderem durch „neue“ Formationen der originalen Vokalgruppe. Zu den besten gehören beispielsweise die Comedian Harmonists Forever. Frei nach dem Motto „Das Leben ist ein Konzert“, vollbringen die sechs Vokalkünstler meisterhafte Shows. 2025 erlebst du die wundersamen Weihnachtskonzerte der Formation, 2026 geht’s schließlich weiter auf Tournee.
Mit den schneidigen Herren der Berlin Comedian Harmonists geht’s 2025 und 2026 „Über die Wolken“. Auch dieses Sextett beeindruckt mit Authentizität, Pointiertheit und viel Humor. Zuletzt sind The Real Comedian Harmonists zu empfehlen. Diese bringen auf ihrer deutschlandweiten Tournee nicht bloß „Ein kleines bisschen Glück“, sondern auch ein fulminantes Live-Konzert, das über Generationen hinweg zu begeistern weiß.
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