Cover me! Was macht eine gute Tribute-Band aus?

Faszination Coverband

Sie heißen Bosstime, Voodoo Lounge, Magic of Queen, Kings of Floyd oder L.A.vation – an Kreativität bei der Namensfindung mangelt es Tribute-Bands nicht. Aber was zeichnet eine richtig gute Cover-Formation aus und was lockt die Menschen in ihre Konzerte? Wir sind dem Phänomen auf den Grund gegangen.

Was ist eine Tribute-Band?

Tribute-Bands sind Cover-Bands, die sich dem Werk eines einzelnen Vorbildes verschrieben haben und die Songs oder sogar ganze Shows nachspielen. Revival-Bands sind eine Untergruppe davon – so bezeichnet man Tribute-Bands, die nur Musiker covern, die bereits verstorben sind bzw. die keine Konzerte mehr spielen.

Was muss ein gutes Tribute haben?

Das Wichtigste bei einer Cover-Band ist natürlich die Musik. Viele ihrer Leadsänger haben Stimmen, die dem des Originals ähnlich sind, oder legen bei den Instrumenten viel Wert auf Authentizität. Auch die Bühnenshow ist ein wichtiger Faktor: Einige Bands setzen sich das Ziel, sich bei ihren Konzerten so nah am Original zu bewegen wie möglich. Im Fall der Rammstein-Nachahmer Völkerball geht das sogar so weit, dass der Leadsänger René Anlauff Gesten und Mimiken von Rammstein-Frontmann Till Lindemann imitiert.

Andere Tributes entwickeln mit der Zeit nicht nur eine eigene Fanbase, sondern auch einen eigenen Stil. Thomas Wacker und Thorsten Gary vom Simon & Garfunkel Cover Graceland haben es geschafft, nah am Original zu bleiben, ohne eine bloße Kopie zu sein. Ihre Konzerte klingen wie eine dezent modernisierte Version der beiden Altmeister, ohne den vertrauten Sound vermissen zu lassen. Bei anderen geht die Show sogar darüber hinaus: Tributes wie The Analogues spielen Songs, die es bei der Originalformation niemals auf die Bühne geschafft haben. Die Beatles-Tribute-Band traut sich an Alben heran, die zu Zeiten der Veröffentlichung zu komplex waren, um sie in die Stadien zu bringen. Mit heutiger Technik und einer gehörigen Portion Enthusiasmus ist das für die Niederländer kein Problem mehr.

Das ist ohnehin ein wichtiger Punkt, wenn es um Tributes geht. Wichtig ist – wie bei allen Musikern – eines: Leidenschaft. Eine lahme Cover-Band, die lieblos die Stücke ihrer Vorbilder runterschrammelt, hat keinen Erfolg. Interessant wird es für Fans erst, wenn sie spüren, dass Herzblut im Spiel ist. Gute Tributes geben bei ihren Auftritten alles. Sie spielen die Songs nicht, sie leben sie von der ersten bis zur letzten Sekunde. Sie zollen, wie der Name schon sagt, ihren Tribut – und das kostet Einsatz, Herz und Seele.

Die Faszination

Warum man sich etwa die Show einer Beatles-Cover-Formation anschaut, liegt auf der Hand: Die Fab Four treten schon seit Jahrzehnten nicht mehr auf, die Songs werden höchstens im Radio oder auf dem heimischen Plattenteller gespielt. Wer sich eine Dröhnung Pilzköpfe geben will, ist mit einer Tribute-Band also gut beraten.
Aber wie steht es mit Tributes von Sängern und Gruppen, die es heute noch gibt und die auch immer noch gemeinsam auf der Bühne stehen? Was reizt den Zuschauer dann, die Kopie statt des Originals anzuschauen?

Da wäre zunächst der Preis. Ein Ticket für die Originalshow der Rolling Stones oder AC/DC ist nur dann erschwinglich, wenn man die Bildungsfonds der Kinder verpfändet. Die Preise für ein Cover liegen da deutlich niedriger. Ein weiterer Faktor ist, dass sich die großen Bands nicht in kuschelige kleine Städtchen verirren. Auch wenn viele es sich wünschen, haben sich die Stones noch nie im rheinland-pfälzischen Katzenelnbogen oder im thüringischen Buttelstedt blicken lassen.

Das ist jedoch nicht alles. Tribute-Bands verfügen über stabile Fanbases und sind durch ihre größere Nahbarkeit für ihre Anhänger attraktiv. Eine Coverband für ein Foto oder ein Gespräch nach einem Auftritt zu gewinnen, ist im Gegensatz zu den großen Vorbildern nicht unmöglich. Dazu kommt – Tribute-Bands haben nicht wegen des Geldes mit dem Covern angefangen, sondern aus Hingabe zu ihren Idolen. Das spürt man ihren Auftritten auch an. Wenn sie dann noch ihren eigenen Sound einbringen, kann man kaum noch von bloßem „Nachspielen“ sprechen.

Mit viel Enthusiasmus, Hingabe und Respekt vor dem Vorbild geben Tribute-Bands auf der Bühne Vollgas. Also, an alle Kritiker und Originalverfechter: Gebt dem Cover eine Chance!

Lena

Seit 2015 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, findet man mich am Grill, auf dem Pferd oder mit der Nase im Duden – nur selten alles gleichzeitig.

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