Die größten Oktoberfest-Hits


Jeder kennt sie, jeder kann sie mitsingen – die Hits aus den Festzelten der Nation. Während das Oktoberfest sich erst seit einigen Jahren bundesweit größter Beliebtheit erfreut, sind die Songs zur Gaudi teilweise älter als die meisten Partygänger selbst. Aber worum geht es eigentlich in Stimmungsgaranten wie „In München steht ein Hofbräuhaus“ oder „Hulapalu“? Wir haben die größten Hits für Euch unter die Lupe genommen.

In München steht ein Hofbräuhaus

Daher kommt der Song: 1935 hatte Wilhelm „Wiga“ Gabriel plötzlich eine Melodie zu einem Text seines Freundes Siegfried Richter im Kopf und schrieb der Legende nach die Noten in Ermangelung eines Blattes Papier auf eine Illustrierte. Achtung: Nicht zu verwechseln ist diese Anekdote mit den Anfängen der Bild-Zeitung.
Darum geht es: Bei Gassenhauern dieses Kalibers ist die Story schnell erzählt. In München gibt es zwar auch Wasser und Wein, aber das interessiert niemanden, weil Bier die viel bessere Idee ist. So weit, so gut. Aber dann haut der Song einem doch noch eine Lebensweisheit um die Ohren: Pass auf, dass deine Frau nicht grantig wird, wenn du abends zu lange feiern gehst. Danke für den Tipp.
Sie singen es: Da die Komponisten nicht mehr leben, wird das Lied von jedem gesungen, den man nicht daran hindern kann. Allein bei Spotify existieren über 300 Versionen des Titels. Die ungewöhnlichste Adaption ist von Sodom-Metaller Tom Angelripper.
Geeignet für: Echte Münchner Patrioten und alle, denen die dortigen Mietpreise Tränen in die Augen treiben.

Lebt denn der alte Holzmichl noch?

Daher kommt der Song: Der „Holzmichl“ ist eine alte Volksweise, deren Text für so ziemlich jede Region Deutschlands adaptiert wurde. Gut geht es dem tapferen Michl allerdings in keiner Version.
Darum geht es: Spoiler für alle, die es nicht kennen – ja, der Holzmichl lebt noch. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt. Aber dass seine Spontanheilung durch dieses Lied ausgelöst wurde, ist unwahrscheinlich.
Sie singen es: Eine Kapelle namens „De Randfichten“, die weder davor noch danach wieder einen solchen Hit landen konnte. Genau wie der Holzmichl ist die Combo aber immer noch quicklebendig und aktiv.
Geeignet für: Freunde von Laubsägearbeiten und Bewunderer von Holzfäller-Contests im Nachtprogramm des Sportfernsehens.

Das rote Pferd

Daher kommt der Song: Ursprünglich war der berühmte Partykracher ein Kinderlied mit der Melodie des französischen Chansons „Milord“, den Edith Piaf 1960 berühmt machte. Der Refrain stammt aus einem Roman von Kurt Tucholsky. Diese imposante Mischung verspricht Hochgeistiges, aber alle Hoffnungen werden enttäuscht.
Darum geht es: Um – große Überraschung – ein rotes Pferd, das eine Fliege abwehrt, die daraufhin um das Pferd herumsaust. Dazwischen gibt es viel Lalala und Anheizersprüche, mit denen man auch den letzten Partymuffel von der Bierbank hochzerrt.
Er singt es: Markus Becker, Ballermann-Dauergast und Ein-Mann-Stimmungskanone aus Annweiler in der Pfalz. Er war Krankengymnast, bevor er den roten Hut aufsetzte und im Schlagerzirkus anheuerte. Böse Zungen behaupten, damit wäre er seiner Branche treu geblieben.
Geeignet für: Cowboys und Oktoberfestgäste, die zwischen der vierten und fünften Maß nicht mehr allzu viel Textsicherheit vorweisen können.

Hey Baby

Daher kommt der Song: Ursprünglich war „Hey Baby“ eine beschwingte Popnummer aus der Feder von Bruce Channel, der in den 60ern mit den Beatles tourte. Auch im Film „Dirty Dancing“ wickelte Jennifer Grey dazu Patrick Swayze um den Finger. DJ Ötzi fügte vierzig Jahre später ein paar „Uh“ und „Ah“ hinzu, fertig war der Partykracher.
Darum geht es: Die älteste Geschichte der Welt. Ein offenbar nicht sehr wortgewandter Er möchte ein „Girl“ für sich gewinnen und ruft ihr deswegen „Hey Baby“ hinterher. Es ist fraglich, welche Art von Beziehung sich durch einen solche Anmache ergibt. Langfristige Liebschaften wohl eher nicht.
Er singt es: DJ Ötzi, der passend zu seinem Namen eine Art Urgestein der Partyszene ist. Der Song erschien 2000, ein Jahr später heiratete er sein persönliches „Baby“. Vielleicht funktioniert das Lied ja doch als Kuppelhymne.
Geeignet für: Hoffnungsfrohe Madln und Buam, die das Oktoberfest als Singlebörse nutzen wollen.

Hulapalu

Daher kommt der Song: Der Hit mit dem kryptischen Titel ist der jüngste Vertreter in unserer Liste. Er wurde 2015 veröffentlicht und schoss mit der eingängigen Melodie und dem jodelartigen Refrain ohne Zwischenstopp in die obere Riege der Festhits.
Darum geht es: Das weiß nicht einmal der Interpret selbst. An einem lauen Sommerabend soll seine Freundin ihm ins Ohr geflüstert haben „So schnell geht es nicht mit dem Hulapalu“, um ihn dann unverrichteter Dinge nach Hause zu schicken. Er ist immer noch mit ihr liiert, behauptet aber, sie habe ihm bis heute nicht verraten, was der Ausdruck genau bedeutet. Sagen wir es so: Der Interpretationsspielraum ist nicht größer als eine Portion Obazda.
Er singt es: Volksrock’n’Roller und Lederhosenjodler Andreas Gabalier, der die Volksmusik auch für Menschen unter 60 wieder salonfähig machte.
Geeignet für: Alle, die mit „Hey Baby“ keinen Erfolg hatten.

Schifoan

Daher kommt der Song: Die Single wurde vor Weihnachten 1976 releast und blieb zunächst maximal unbeachtet. Erst in den Après-Ski-Hütten reifte der Song zu voller Blüte, schaffte es dann an den Ballermann und schließlich auch in die Oktoberfestzelte.
Darum geht es: Ums Schifoan, das „des Leiwandste ist, was ma si vorstö’n kann“. Frei übersetzt ist die Fahrt auf ein paar Holzbrettern besser als Freibier, hübsche Dirndlträgerinnen und eine Weißwurst-Flatrate zusammen.
Er singt es: Wolfgang Ambros, der Godfather of Austropop und sonst mit weit tiefgründigeren Inhalten unterwegs. Der Erfolg von „Schifoan“ hat ihn selbst vermutlich am meisten überrascht.
Geeignet für: Alle, die im Winter auf der Hütte, im Sommer am Ballermann und im Herbst auf dem Oktoberfest sind. Da stört es auch nicht, dass man außer dem Titel kein Wort des Textes versteht.

Resi, I hol di mit mei’m Traktor ab

Daher kommt der Song: Das Lied über die schwer zu gewinnende Resi stammt aus der Feder einer Frau. Schlagersängerin und Komponistin Hanne Haller schrieb den Hit 1985 für Wolfgang Fierek, Bernd Meinunger lieferte den Text dazu.
Darum geht es: Der Plot ist fast schon komplex. Die Resi wohnt auf dem Bauernhof und findet den singenden Kerl nicht so sehr fesch, weil der in der Stadt wohnt. Was macht der verschmähte Jüngling also? Er besorgt sich einen Zweitakter und fährt bis vor die Tür, um dort eine Runde Mundharmonika zu spielen. Man könnte sagen, es ist Romeo und Julia auf Bayerisch. Nur ohne das Gift.
Er singt es: Wolfgang Fierek ist Musiker, aber auch bekannt aus Film und Fernsehen. Er war vier Jahre lang „Ein Bayer auf Rügen“, spielte bei den Rosenheim-Cops und im Tatort mit. Als Ehrenindianer der Sioux brachte er die Resi bis in die USA.
Geeignet für: Alle wahren Romantiker und Fans von „Bauer sucht Frau“. Außerdem für jene, die mit „Hey Baby“ und „Hulapalu“ keinen Erfolg hatten.

Sierra Madre

Daher kommt der Song: Wolfgang Roloff veröffentlichte den Titel als „Ronny“ 1970 gemeinsam mit Hans Hee. Das Lied war zunächst kein Erfolg, vielleicht lag es am Künstlernamen. Ende der 80er-Jahre nahmen sich dann die Zillertaler Schützenjäger der Sache an.
Darum geht es: Der Rausschmeißersong jedes Oktoberfests ist tiefgründig wie ein Goethe-Gedicht. Die erste Strophe bildet die Morgenstimmung vor dem Tagwerk des Bergbauern ab, die über den Refrain zur Feierabendstimmung der zweiten Strophe evolviert. Warum man diesen Vorgang ins mexikanische Gebirge verlegt hat, ist unklar. Vielleicht, weil „Sierra Madre“ besser ins Versmaß passt als „Bergbauernverband Samersberg-Süd“.
Sie singen es: Die Zillertaler Schürzenjäger, quasi die Lochis der Festzelt-Kultur, machten aus dem Ladenhüter einen Kassenschlager. Mit ihnen gewann der Song zwar keinen ECHO, aber er führt seit Jahren die GEMA-Liste an.
Geeignet für: Melancholiker, die das Ende des feuchtfröhlichen Abends nicht wahrhaben wollen.

Lena

Seit 2015 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, findet man mich am Grill, auf dem Pferd oder mit der Nase im Duden – nur selten alles gleichzeitig.

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