Eine Adventsgeschichte: Zwei Arten, Weihnachten zu retten

Die Beine von drei Schlittschufahrern auf dem weißen Glatteis.

Die Weihnachtsmärkte öffnen ihre Pforten, hier und da fällt der erste Schnee und der erste Advent steht auch schon vor der Tür. In diesem Jahr möchten wir dir die Vorfreude auf Weihnachten jeden Sonntag ein kleines Stück näher bringen. Deshalb gibt es ab sofort zu jedem Advent eine neue Geschichte – zum Schmunzeln, Staunen und Eintauchen in die gemütliche Weihnachtsstimmung. Lehn dich zurück, genieße die Adventsgeschichte und lass dich von „Zwei Arten, Weihnachten zu retten“ verzaubern! 

Alle Jahre wieder

Frech und verschmitzt blickten Eddie die Augen der Katze entgegen. Er war gerade erst zur Tür hinaus gestolpert, die klirrende Kälte im Gesicht, als er das Plakat sah. „ENTLAUFEN – BITTE BEI FAMILIE REESE MELDEN“ stand da in dunklen Großbuchstaben. Lange konnte er sich dem vermissten Stubentiger nicht widmen. Er war auf dem Weg in die Stadt, um noch den letzten Erledigungen vor Weihnachten nachzugehen. Er musste sich beeilen, später stand das alljährliche Treffen mit den Eisheiligen an.

Ein Mann steht in der verschneiten Fußgängerzone in einer historischen Stadt, die Passantinnen und Passanten laufen mit Regenschirmen in der Hand an ihm vorbei und im Hintergrund ist eine Kathedrale aus Stein zu sehen.Das war seine Freundesgruppe, mit der sich Eddie jedes Jahr zum Eislaufen traf, bevor alle an Heiligabend zu ihren Verwandten fuhren. Nunja, die anderen trafen sich zum Eislaufen. Eddie bevorzugte es, dem Treiben vom Rande der Eisfläche aus zuzuschauen. Seit seinem Unfall vor drei Jahren setzte er keinen Fuß mehr auf den spiegelglatten Untergrund. Insgeheim graute es ihm auch vor der Rückkehr in die Heimat, wo ihm von gewissen Familienmitgliedern jährlich die vermasselte Eishockey-Karriere vorgehalten wurde. Er schob die unbehaglichen Erinnerungen beiseite und mischte sich in das Getümmel unter die glitzernden Weihnachtslichter der Stadt.

Tradition und Veränderung

„Da bist du ja endlich!“ Grinsend nahmen Sophia, Miro und Kathi Eddie in Empfang. „Du weißt schon, dass wir uns auch beim Weihnachtsmarkt treffen könnten“ fing Miro an. Eddie winkte ab. „Tradition bleibt Tradition.“ Er schätzte die Nachsicht, aber wollte nicht, dass seine Freundinnen und Freunde nur wegen ihm den alljährlichen Fahrspaß über Bord warfen. Außerdem sehnte er sich auch ein bisschen nach dem Eis und dem kratzenden Geräusch, wenn die Kufen sich in die Fläche bohrten, sodass kleine Kristalle durch die Luft flogen. Nachdem die vier Eisheiligen sich mit Punsch und Lebkuchen gestärkt hatten, machten sich drei von ihnen auf den Weg, die Schlittschuhbahn unsicher zu machen. Eddie hingegen entschied sich für einen Spaziergang. Er ließ seinen Gedanken freien Lauf. Und ehe er sich versah, kreisten sie schon wieder um jenen Tag, an dem er die Eisfläche zum allerletzten Mal betrat. 

Kontraste

Zuerst war alles schwarz. Und es blieb schwarz, bis sich grelles Licht den dunklen Tunnel durchbohrte und in Eddies Augen festbiss. Er konnte seinen Kopf nicht bewegen, lag nur da und versuchte, irgendetwas zu erkennen. Schließlich rollte er die Augen nach unten und sah an seinem Körper herab. Sein Knie steckte in einer Schiene. „Du bist wach! Eddie, du machst Sachen… Die Ärztin hat gemeint, du hattest Glück.“ Gedämpft hörte er die vertraute Stimme seines Vaters. Glück, Glück, Glück… doch warum lag er dann hier? „Du musst erstmal raus aus dem Training, mindestens ein paar Wochen.“ Die Worte hallten in ihm nach. Dann traf es seinen Geist wie ein Blitzschlag. Der Sprint aufs Tor, Rufe von den Rängen, der Typ von den Gegnern, plötzlich genau vor ihm. Ein schneller Haken nach links. Zu schnell. Ein dumpfes Geräusch vom Aufprall auf das gefrorene Weiß. Und dann nur noch Schwarz. 

Kufen auf dem Eis.

Vergessen, Angst zu haben

Eddie kehrte von seiner Runde zurück und ließ sich am Rande der Schlittschuhbahn auf eine Bank plumpsen. Aus ein paar Wochen Trainingsverbot wurden Monate und nun saß er hier und hatte seit drei Jahren keine Eisfläche mehr betreten. Das Knie war mittlerweile verheilt, doch in seinem Kopf blieb eine Riesenangst vor dem, was einst seine größte Leidenschaft war. Kathi, Miro und Sophia flitzten an ihm vorbei und so langsam begann der Wehmut zu verfliegen. Eddie lehnte sich zurück und genoss die Atmosphäre. Gerade wollte er aufstehen, um sich nochmal mit einem Punsch aufzuwärmen. Doch dann sah er plötzlich aus dem Augenwinkel eine flinke Bewegung zwischen all den messerscharfen Kufen wahrnahm.

Das Kätzchen kannte er doch? Schnell entschlossen stürzte Eddie sich aufs Eis, schlitterte mit seinen Stiefeln durch die Menge und ergriff das maunzende Tier. Zurück an der Bande strich er der Katze über den Kopf und flüsterte: „Jetzt bist du in Sicherheit.“ Erst dann verstand er, was geschehen war. Ohne zu Zögern hatte er die Eisbahn betreten. Kein Zittern, kein Angstschweiß und auch jetzt spürte er nichts. Nun, nicht ganz: Sein Herz begann vor Freude zu hüpfen. Inzwischen waren alle Eisheiligen um ihn herum. „Eddie, du bist wieder auf dem Eis? Du hast nicht mal die richtigen Schuhe an!“ Lachend umarmte sich die ganze Gruppe.

Zwei Arten, Weihnachten zu retten

Mit strahlenden Augen stand Familie Reese in der Tür, als Eddie, Miro, Sophia und Kathi mit dem Kätzchen im Schlepptau durch das Gartentor gingen. „Ihr habt uns wirklich das Weihnachtsfest gerettet“ sagte Frau Reese und nahm das Fellknäuel entgegen.

Eine Frau im beigen WOllpullover trägt eine schwarzweiße Babykatze auf dem Arm und streichelt sie. „Und eure Mieze hat mir die nächsten 100 Weihnachten gerettet“, sagte Eddie grinsend. Auch wenn Familie Reese nicht ganz verstand, bedankte sie sich überschwänglich und ließ die Freundesgruppe dann weiterziehen. Denn die Eisheiligen hatten etwas zu feiern. So machten sie sich schleunigst auf den Weg zurück. Dieses Mal hatte auch Eddie seine Schlittschuhe dabei. Zu viert wirbelten sie über die Eisbahn, bis sie am Abend noch einmal mit wohlduftenden Punsch anstießen: „Auf dass diese Tradition niemals endet!“ rief Kathi. Jubelnd stimmten Sophia, Eddie und Miro zu. „Auf dass diese Tradition niemals endet!“

Schon bald wird die nächste Kerze am Adventskranz angezündet und wir versorgen dich mit einer neuen winterlich-weihnachtlichen Geschichte. Um die Wartezeit bis dahin und natürlich bis zum Weihnachtsfest selbst zu verkürzen, kannst du dir hier unseren Adventskalender voller Erlebnisse anschauen. Oder du stöberst durch unser Ticketmagazin und entdeckst die schönsten Shows on Ice zur Weihnachtszeit. Wo du immer top informiert bleibst, ist auf unseren Social Media Kanälen. Also, nichts mehr verpassen und bei Instagram, TikTok und Facebook vorbeischauen!

Paula

Seit Ende 2024 bin ich Teil der Online-Redaktion. Neben dem Texten auf Deutsch begeistern mich außerdem Fremdsprachen: Englisch, Spanisch, sogar Arabisch habe ich mal ausprobiert. Generell probiere ich mich gerne aus. Ob Ballett tanzen oder Rappen, die langen Haare auf 5 Millimeter abrasieren, abenteuerliche Reisen durch Südamerika oder gemütliche Kochabende mit anschließender Häkelsession auf der Couch - count me in!