Fünf schaurige Orte, die du um Mitternacht besser meidest


Ein kalter Schauer beißt sich im Nacken fest und die Angst läuft wie Eiswasser den Rücken herunter. Die Sinne sind geschärft, ein Nerv am Hinterkopf pocht. Es gibt sie, diese Orte, wo man den Legenden plötzlich Glauben schenken möchte – den Geschichten von geköpften Jungfrauen, ruhelosen Rächern und teuflischen Dämonen. Oder die Plätze jüngerer Zeit, die ebenso das Blut in den Adern gefrieren lassen. Sie sind gar nicht so weit entfernt.

Burg Frankenstein


Schon der Name dieser Burg sagt alles, was man zum Thema Gruselfaktor wissen muss. Mary Shelley soll hier ihre Inspiration für ihre Geschichte um den berüchtigten Doktor Frankenstein gefunden haben – was von Historikern angezweifelt wird. Wer diesen Spielverderbern jedoch nicht glauben will, der bekommt auf Burg Frankenstein die volle Ladung mysteriöser Energie: Ist der Schatten in der dunklen Ecke ein Monster oder nur der Kumpel? War das gerade eine Gestalt am Fenster oder doch eine optische Täuschung?

Um die Burg ranken sich viele Erzählungen. Angeblich sollen Hexen diesen Ort für geradezu orgiastische Feiern genutzt haben. Auch die Legende um Ritter Georg, der im Steinbruch unterhalb der Burg einen Lindwurm besiegt haben soll, um die Jungfrauen des Dorfes vor der Opferung zu schützen, ist Teil der Sagenwelt um Burg Frankenstein. In einer Version rettete der Ritter damit die eigene Geliebte, starb aber den Heldentod, weil der Lindwurm ihn vergiftet hatte. Was daran gruselig ist? Immer in der Adventszeit sollen in den Fenstern der Burg wieder die Lichter flackern, die Georg und seine Geliebte zur geheimen Verabredung entzündeten.

Beelitz-Heilstätten


Eine ehemalige Tuberkulose-Klinik in Brandenburg – das klingt erst einmal nicht sehr furchteinflößend. Aber sobald man die Bilder der Beelitz-Heilstätten sieht, beginnen die Knie zu schlottern. Da gibt es Betten, von denen der Lack abblättert, alte OP-Säle, in denen es die Fliesen nur noch teilweise an der Wand hält. Die Matratzen sind von Wind und Wetter zerfressen, die Fensterscheiben zerbrochen. Es wirkt so, als hätte die Klinik ihren Betrieb von einer Sekunde auf die andere eingestellt, was mehr als gruselig ist.

Die Heilanstalt hat in ihrer Geschichte viel gesehen: Zunächst als renommierte Tuberkulose-Klinik eröffnet, wurde sie im Ersten Weltkrieg ein Lazarett, in dem auch Adolf Hitler behandelt wurde. In der Besetzungszeit übernahm die Sowjetarmee das Kommando über die Klinik. Seit 1994 liegt die Anstalt brach und wurde der Natur und sich selbst überlassen. Das lockt viele Menschen an, die an Übernatürlichem interessiert sind, von Satanisten bis zu Geisterbeschwörern. Aber auch Schlimmeres trieb hier sein Unwesen: Drei Morde geschahen seither auf dem Areal, ein Doppelmord an Frau und Kind eines Klinikarztes und ein weiterer an einem Fotomodell. Angeblich soll man, wenn man durch das Gebäude geht, Türenschlagen und Schritte hören. Nur der Wind, der durch die mit Brettern vernagelten Fenster weht? Wer weiß…

Spreepark Berlin


Im Plänterwald in Berlin, da gab es einst einen Freizeitpark – den einzigen Vergnügungspark der DDR. Über 1,5 Millionen Besucher pro Jahr ließen sich von Riesenrad, Fahrgeschäften und allerhand Spaßbuden unterhalten. Seit 2001 ist der Park jedoch nur noch ein Denkmal und verwahrlost zusehends: Die Karusselle werden von Sträuchern und Gestrüpp überwuchert, die künstlichen Dinosaurier zerfallen durch die Witterung. Die rostigen Schienen der Achterbahn führen ins Nichts, mitten im Wald steht ein Fantasiewesen, dessen geöffnetes Maul vor allem das Unkraut zu schlucken scheint. Ein gespenstisches Pfeifen dringt ans Ohr – es sind die Gondeln des Riesenrads, die sich nur dann bewegen, wenn der Wind es möchte. Das ist ebenso schön wie schaurig.

Im Spreepark sieht man eindrucksvoll, was geschieht, wenn die Natur sich einen von Menschen geschaffenen Ort zurückholt. Genau das sorgt für den Gruselfaktor, den man bei einer der geführten Touren hautnah erleben kann. Es gibt jedoch Planungen, das Gelände erneut zum Leben zu erwecken. Dann dürfte es echte Gruselatmosphäre nur noch in der Geisterbahn geben.

Gespensterwald Nienhagen


Die Ostsee ist eigentlich ein idyllisches Ferienziel für geplagte Städter und gestresste Familien. Im Ostseebad Nienhagen, das in der Nähe von Rostock an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern liegt, gibt es jedoch noch mehr als Ruhe und Entspannung. In der Nähe von Strandkörben, Promenade und Ferienpark liegt ein 180 Hektar großes Waldstück mit besonderer Atmosphäre.

Der Gespensterwald ist ein beliebtes Ausflugsziel und zeigt vor allem in der Dämmerung, warum er diesen Namen trägt. Dann werden die Bäume, die durch das Salzwasser erbleicht sind, zu einem Wald aus knorrigen Kreaturen, die ihre langen Äste nach all jenen ausstrecken, die sich in ihre Nähe wagen. Buchen, Eschen und Eichen wirken wie Relikte aus der Vergangenheit, knarzen leise und sehen doch aus wie versteinert. Besonders mysteriös ist jedoch das Gras, dessen Halme immer in der gleichen Länge bleiben, obwohl es niemand zu mähen scheint. Wirklich niemand? Vielleicht kann man, wenn man im Dämmerlicht durch die Bäume streift, den Sensenmann bei der Arbeit sehen…

Und zum Schluss noch ein Geheimtipp:

Friedhof Illenau bei Achern


Steinfiguren, die im Schein der Grablichter Schatten werfen. Grabsteine, deren verblichene Buchstaben von Moos erobert werden. Verwelkte Blumen, stumm abgelegt unter einem Namen, der schon lange nicht mehr ausgesprochen wurde. Wenn es einen Klassiker unter den Gruselorten gibt, dann wohl den Friedhof. Fast jeder musste schon einmal nachts dorthin, um seinen Mut zu beweisen – und jedem ist dabei das Herz gestockt.

Der Friedhof Illenau im badischen Achern ist jedoch ein ganz besonderer Vertreter seiner Klasse. Er liegt mitten im Wald und wurde 1858 angelegt, um den Verstorbenen der Nervenheilanstalt Illenau eine ewige Ruhestätte zu bieten. Adelige aus ganz Europa suchten in der Klinik einst Hilfe für ihre geplagten Nerven oder ein Mittel gegen Geisteskrankheiten. Zu Zeiten des Nazi-Regimes fand die Heilanstalt mit dem hervorragenden Ruf jedoch ein grausames Ende: Alle Insassen wurden unter dem Deckmantel des Sterbehilfe-Erlasses ermordet. 1940 schlossen sich die Tore, auch auf dem Friedhof fanden keine Beisetzungen mehr statt.

Noch heute rankt sich um den Friedhof eine Legende: Nachts soll die große, wunderschöne Frauenstatue hinter dem eisernen Tor zum Leben erwachen und die Toten vor der Störung durch Eindringlinge schützen. Beobachten könnte man dies jedoch nur von draußen – der Friedhof wird in der Dämmerung abgesperrt. Tagsüber ist er für Besucher geöffnet, die sich von diesem besonderen Ort in den Bann ziehen lassen wollen.

Lena

Seit 2015 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, findet man mich am Grill, auf dem Pferd oder mit der Nase im Duden – nur selten alles gleichzeitig.

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