Gospel – Die Entstehung des mitreißenden Genres

Gospel

Chorisch hallt es durch das Kirchenschiff, die Gemeinde singt ekstatisch mit und Dopamin erfüllt den erleuchteten Raum. Wenn Gospel auch als reine Kirchenmusik, insbesondere afroamerikanischer Gemeinden, bewertet wird, steckt eine mannigfaltige Geschichte hinter Klassikern wie „Kumbaya“ und „Amazing Grace“. 2020 lebt das Genre in Kirchen, aktueller Pop-Musik und auf zahlreichen Weihnachtsalben weiter. Doch was wissen wir wirklich über die Entstehung des mitreißenden Genres? Hier kommen ein paar bedeutende Fakten zum Gospel, die sich zwischen Tragik und Faszination bewegen.

 

WANN?

Seit dem beginnenden 20. Jahrhundert spaltete sich der Gospel ab. Er wurzelt im Spiritual, also christlichen Liedern des 17. und 18. Jahrhunderts, die vor dem Hintergrund der Sklaverei in den USA entstanden. Spirituals handeln sowohl von Sehnsucht und Hoffnung als auch von Erlösung und Leid. Oft werden Situationen aus dem Alten Testament oder die eigene Lebenserfahrungen besungen, womit die Gattung nah am Blues oder frühen Jazz ist. In den 1610er-Jahren wurden unzählige in Afrika lebende Menschen aus ihrer Heimat verschleppt und zum Sklavendienst nach Nordamerika deportiert. Dort kamen die Sklaven auch in den Kontakt mit biblischen Geschichten, die sie anfingen auf ihre eigene Lebenssituation zu übertragen und zu vertonen. Das Wort „Gospelsong“ wurde vermutlich erstmals 1874 von Philip P. Bliss verwendet.

 

WAS?

Abgeleitet vom englischen „good spell“, was so viel wie Evangelium oder gute Nachricht bedeutet, erklärt sich die Wortherkunft des Genres. Christliche Lyrics bilden den Textkörper dieser wundersamen Lieder. Zumeist stecken gewaltige Stimmkörper hinter den Performances. Ein Timbre, das den Boden erschüttern lässt, und Frequenzen, die bis in den tiefsten Seelengrund strahlen. Schließlich erfordern die komplexen Songs teilweise eine Range von mehreren Oktaven, was eine enorme stimmliche Herausforderung ist. Ein paar Klicks auf YouTube bestätigen dies und versorgen euch überdies mit den phänomenalsten Auftritten wie solche Aretha Franklins oder Whitney Houstons. Oder auch eine „Amazing Grace“ Version von Elvis Presley.

 

WER?

Es sind einige rühmliche Sängerinnen, Sänger und Chöre zu nennen, die für die Verbreitung des Genres von großer Bedeutung sind. Allen voran ist Odetta zu nennen, eine US-amerikanische Sängerin, die besonders durch ihre Christmas Spirituals bekannt wurde. Wie viele weitere Vertreterinnen und Vertreter des Genres war sie aktives Mitglied des Civil Rights Movement der 50er- und 60er-Jahre. Tatsächlich zählen auch Whitney Houston, Johnny Cash und MC Hammer zu den Vertretern. Dabei sind einige Classics nicht wegzudenken. Wir kennen und schätzen die spirituellen Melodien von „Amazing Grace“, „Oh Happy Day“ oder „Rock of Ages“.

 

DAS, WAS BLEIBT

Wer das Wort „Gospel“ aufschnappt, mag zunächst an Filme wie „Sister Act“ mit der fantastischen Whoopi Goldberg oder einige Szenen aus „Big Momma’s House“ denken. Zugegeben, beide Komödien bringen uns beherzt zum Lachen und die Musikszenen sind umwerfend und mitreißend. Erfreulicherweise entwickelte sich das Genre aber auch musikalisch in die experimentierfreudigsten Richtungen. Als seien keine Jahrhunderte über das sakrale Genre hinweg geweht, erfreut sich der Gospel vielfältiger Kombos mit anderen Genres. Schon längst wird es als eine Art Cross-Genre mit Pop-Musik, RnB und Hip-Hop gemischt. Beispiele sind Mary Mary mit „Shackles“ oder 2Pac mit „Ghetto Gosple“. Oder auf einfühlsame Weise neu aufgegriffen wie in Leon Bridges „River“.

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Falls euch unser kleiner Genreüberblick gefallen hat, gibt’s gleich noch einen oben drauf. Was es alles über die Welt der Musicals zu wissen gibt, erfahrt ihr hier!

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Musa

Seit 2017 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, verbringe ich im flackernden Kerzenschein einsame Stunden an meiner Schreibmaschine, um humanistische Liebesgedichte und Fanbriefe an Paul McCartney zu verfassen. Gerne auch zu einem Gläschen Malzbier.

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