Ich war dabei: Der Nussknacker im Onlinestream!

Am 29. November 2020 eröffnete das Moscow Classic Ballet mit „Der Nussknacker – Das Online Stream Event“ offiziell die Adventszeit. Das X-Mas Special ist ein Abend voll hinreißender Kompositionen des Meisters Pjotr I. Tschaikowsky, der Freude für die ganze Familie bringt. Kultur live und sicher vom heimischen Sofa aus genießen wird mit unseren Weihnachts-Streamings möglich. Alles rund um diese neue Form des Live-Entertainments erfährst du in unserem Erfahrungsbericht.

Die Vorbereitungen und der Start

Es ist Sonntagabend, der 29. November 2020 und die erste Adventskerze im tannigen Kranz brennt bereits. Zum ersten Advent führt die Dance Company des Moscow Classic Ballet in die besinnliche Vorweihnachtszeit ein. Mit ihrer Version von Tschaikowskys „Der Nussknacker“ entführt das Ensemble das Publikum in Märchenwelten und damit raus aus dem aktuellen Tagesgeschehen. Es benötigt nur wenige Klicks, um zum Onlinestream zu gelangen: dem Link folgen, das mitgelieferte Passwort eingeben – fertig! Nur noch auf den Play-Button klicken und schon darf das Spektakel beginnen. Auf dem Bildschirm des Onlinestreams heißt es „Noch 4 Minuten“, dann drei, zwei, eins: Ein roter Samtvorhang leuchtet auf. Schwer und wallend, wie man ihn aus dem Theater kennt.

Als der Vorhang sich öffnet, tönen bereits die ersten Melodien von Tschaikowskys erstem Akt aus dem Orchestergraben. Tatsächlich erzeugt die Musik eine ähnliche Vorfreude, wie sie bei einer echten Vorstellung in Präsenz entsteht. Auch jetzt durchdringt der Hall meine Sinne, auch wenn Tschaikowsky nur aus den Lautsprechern meines Laptops zu mir herüber schallt.

Weihnachtliches Tanzspektakel

Die Szenerie erstreckt sich meterweit in die Höhe, als einzelne Tänzerinnen und Tänzer von links auf das Bühnenparkett schreiten. Ich blicke frontal auf das Bühnengeschehen, mal zeigt die Kamera mir das Gesamtbild, mal zoomt sie auf die Gesichter der Akteure. Dabei fällt mir auf, dass die Kameraregie manches Mal etwas willkürlich zoomt und schwenkt. Doch tut es dem Zauber nicht allzu viel ab. Eine berauschende Choreographie folgt auf die nächste. Mal wirkt der Tanz verspielt und zahm, dann wieder gewaltig und bedrohlich – wenn beispielsweise der Mausekönig seinen ersten Auftritt hat. Mit mächtigem Umhang und Maske treibt das Biest sein Unwesen. Tanzende Zinnsoldaten bieten ihm und seinen Mäusen Widerstand. Und dann ist da noch Marie, die dem Nussknacker im Kampf gegen den Mäusekönig zur Seite steht. Gemeinsam ziehen sie durch märchenhafte Winterwelten, in die Schneeflocken zum Walzer auffordern. Unter der künstlerischen Leitung von Hasan Usmanov erstrahlt der klassische Stoff auch in diesem trüben Winter zu neuem Leben.

Das Ensemble des Moscow Classic Ballet erfüllt meine kulturhungrigen Augen vollends. Auch wenn das bewegte Bild eingangs kurz ruckelt, ist alles sofort wieder vergessen, sobald die Darstellerinnen und Darsteller majestätisch über die Bühne schweben. Die 1 1/2 Stunden Spieldauer vergehen wie im Flug.

Besinnlicher als im Publikumssaal

Es ist herrlich, den Stoff nach E.T.A. Hoffmanns berühmten Märchen „Nussknacker und Mausekönig“ auf der Bühne sehen zu dürfen. Während der Vorstellung frage ich mich, ob mir etwas fehlt. Ich denke nach. Keine Köpfe auf den Sitzen vor mir versperren meine Sicht auf die Bühne, keine Störgeräusche wie das Knistern einer Bonbonverpackung oder nerviges Getuschel der Sitznachbarn vorhanden. Mir fällt auf, dass Kultur von der heimischen Couch aus äußerst vorteilhaft ist. Auch ist es um mich herum besinnlicher, als in dem Publikumssaal eines großen Theaterhauses. In meinen eigenen vier Wänden geht es am ersten Advent schon sehr weihnachtlich zu. Festlicher Schmuck überall, dazu Kerzen und Lichterketten. Es duftet angenehm. Dazu ein feines Buffet aus Gewürzmandeln, Spekulatius und frischen Clementinen. Während eine dicke Decke und Ingwertee mich wärmen, schäle ich Zitrusfrüchte. Und niemand stört sich daran. Denn schließlich sitze ich nicht inmitten eines hundertfachen Publikums, sondern daheim mit meinem Liebsten. So frei und gemütlich durfte ich Ballett noch nie live erleben.

Mein persönliches Fazit

Für zahlreiche Familien sind die alljährlichen Vorstellungen vom Nussknacker oder Schwanensee in der Vorweihnachtszeit zur felsenfesten Tradition geworden. Die Vorstellung, dass nun auch diese Tradition im Corona-Jahr 2020 weichen muss, stimmt viele Menschen traurig. Welch fabelhafte Chance also, dank Weihnachts-Streamings im Dezember nicht völlig auf Kultur verzichten zu müssen. Trotz der Distanz funktioniert Ballett über den Bildschirm ausgezeichnet. Der zauberhafte Bann dieser Kunstform bleibt erhalten. Ein Ratschlag am Rande: Je größer der Bildschirm und je lauter der Sound, umso lebendiger wirkt das Streaming-Event. Wenn es die Kultur vergangener Jahre ohne Pandemie auch nicht ersetzt, lindern wunderbare Veranstaltungen wie diese das Warten auf bessere Tage und bieten eine tolle Alternative.

Der nächste Onlinestream zu Nussknacker – Moscow Classic Ballet findet übrigens am 19.12.20 statt. Hier geht’s zu allen Infos und den Tickets.

Wenn dieser Bericht deine Lust auf ein Streaming-Event zu Weihnachten geweckt hat, schau doch einfach mal in unserer Übersicht vorbei. Dort erwarten dich weitere Termine für Streaming-Events, die du mit Reservix live zu dir nach Hause holen kannst!

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Musa

Seit 2017 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, verbringe ich im flackernden Kerzenschein einsame Stunden an meiner Schreibmaschine, um humanistische Liebesgedichte und Fanbriefe an Paul McCartney zu verfassen. Gerne auch zu einem Gläschen Malzbier.

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