Koffer, Krisen, Kabarett: Mackefisch im Interview

Mackefisch sitzend auf zwei braunen Lederkoffern. Für den Artikel Mackefisch Interview

Lucie Mackert und Peter Fischer sind zusammen Mackefisch. Sie besingen Krisen mit Humor, liefern amüsante und doch scharfsinnige Texte und unterhalten den Laden zu zweit, als wären sie zwanzig. Alles, was sie für ihre Mischung aus Musik und Kabarett brauchen, sind ihre Stimmen, ein Bahnticket und 80 Kilogramm Reisegepäck. Praktischerweise erweist sich letzteres auch wunderbar als Instrument. Was es mit den selbst gebauten Kofferdrums auf sich hat, wie das Liedermacher-Duo es schafft, Probleme anzusprechen und sich doch auf das Positive zu fokussieren und worauf du dich bei einem Liveauftritt von Mackefisch freuen kannst, erzählen sie im Interview.

Ihr seid nur zu zweit und doch bringt ihr die Vielfalt eines ganzen Ensembles auf die Bühne. Wie habt ihr gemerkt, dass ihr zu zweit wie zwanzig klingen könnt?

Peter: Erstmal haben wir uns gegenseitig einzeln auf der Bühne gesehen und wollten gerne zusammen Musik machen. Das multiinstrumentale hat v.a. Lucie natürlich eh schon mitgebracht, da sie neben Gesang, Gitarre und Banjolele auch noch Kofferdrums mit den Füßen spielt.


Lucie: Und da Peter auch singt und am E-Piano Klavier- mit Synthiesounds, Orgel und Sampling kombiniert, ergibt sich das dann einfach, dass man nach viel mehr klingt als einem Duo. Und die Songs detailverliebt zu arrangieren, mit all diesen Komponenten, mehrstimmigem Gesang und so – das macht uns beiden mega Spaß.

Anders als in einem klassischen Orchester bringt ihr allerlei außergewöhnliche Instrumente mit, zum Beispiel die Koffer-Drums. Woher kam die Idee und wie viele Anläufe hat es gebraucht, bis sie klingen wie sie nun klingen?

Lucie: Das hat sich über Jahre entwickelt. Ich glaube es ist ein nie endender Prozess… Begonnen habe ich mit Cajon und einer an den Fuß gebundenen Rassel, als Rhythmussektion. Aber das war nicht praktikabel für den Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also habe ich überlegt: wenn man eine Basstrommel hätte, die man gleichzeitig auch als Koffer verwenden kann… ich bin durch Antiquitätenläden und über Flohmärkte getigert und habe auf alles geklopft, was wie ein Koffer aussah, um zu schauen, was für einen Sound es hat. Ich habe viele Koffer gekauft und ausprobiert. Unser Keller ist voller alter Koffer, die es nicht auf die Bühne geschafft haben! Irgendwann bin ich bei dem jetzigen (ein Samsonite aus den 50ern) gelandet, der hat einen echt fetten Bass und sieht richtig fein aus, ich liebe ihn. Natürlich gefällt uns auch der Upcycling-Charakter der ganzen Sache: Wir sind immer auf der Suche nach Dingen aus dem Alltag, die interessante Geräusche machen, Hundespielzeug, Frühstücksbrettchen, Ginflaschen,… die kann ich dann live in den Beat eines neuen Songs einbauen. Die Welt ist voller Instrumente – man muss nur draufhauen!

Peter: Und zusätzlich schau ich noch, was man mit Sampling am E-Piano machen kann. Da wird das Recording von gewöhnlichem Pfeifen plötzlich zu einer gruselig verstimmt klingenden Jahrmarkt-Drehleier, Tauben gurren auf der Taste Fis leise mit und ein Honky-Tonk-Piano legt sich unter Super-Mario-Gameboysounds. Das macht total Bock.

Eure Texte pendeln zwischen poetisch, albern, klug und gnadenlos politisch. Wie entsteht ein solcher Song zwischen Unterhaltung und Haltung?

Peter: Ich glaub, unsere Songs werden einfach so, wie wir auch sind.

Lucie: Ja, einerseits macht uns zum Beispiel die Weltlage echt fertig. Das verarbeiten wir natürlich auch in unseren Songs.


Peter: Und andererseits sind wir aber auch sehr gerne einfach mal albern, oder lieben Wortspiele und schöne Bilder in der Sprache.


Lucie: Und das alles schlägt sich in unseren Shows nieder. Uns ist total wichtig, Ernstes nicht einfach zu ignorieren – aber trotzdem den Humor nicht zu verlieren.

Klimakrise, Überforderung, Weltschmerz – viele eurer Songs greifen schwere Themen auf. Wie schafft ihr es trotzdem, diese Leichtigkeit und Hoffnung rüberzubringen?

Mackefisch auf der Straße mit Koffern in der Hand.Peter: Als Teenager hab ich Funny van Dannen’s Album „Groooveman“ entdeckt. Da singt er „Ich bin nicht kreativ, das ist nur Notwehr.“ Vielleicht ist das mit der Leichtigkeit so ähnlich. Die muss man sich einfach erhalten – allein schon als Gegenreaktion!


Lucie: Wir müssen uns als Gesellschaft einer Menge krassem Zeug stellen, vor dem wir lange weggelaufen sind. Wir sehen unsere Rolle als KünstlerInnen darin, dabei zu helfen, nicht die Augen zu verschließen, sondern hinzuschauen, die Situation realistisch einzuschätzen und dann den Fokus auf die Lichtblicke, die Hoffnung, den Humor und die Leichtigkeit zu legen. Denn das verliert man Angesichts der Krisen gerne aus den Augen, es ist aber wichtig, um den Mut nicht zu verlieren.

Mit „Komplizirkus“ seid ihr 2026 live auf Tour. Worauf darf sich das Publikum freuen?

Peter: Auf einen Abend voller Songs, die mit Liebe zum Detail ausgecheckt sind – und trotzdem krasse Ohrwürmer. Ein ganz eigener Sound, der vintage-analog mit digital kombiniert und dazu Texte, die abgefahrene Geschichten erzählen. Unser Ziel ist, dass die Konzertbesucherinnen und -besucher mit vollem Herz und vollem Hirn nach Hause gehen. …und mit leerem Geldbeutel! Ha! …nein, Quatsch. Und mit einem Lächeln. Bisher klappt das ganz gut!

Wer kreative Unterhaltung mit Sinn mag, ist bei Mackefisch genau richtig. Wenn du Lucie Mackert und Peter Fischer live auf der Bühne erleben willst, findest du in unserem Ticketportal die Termine ihrer nächsten Shows. In unserem Ticketmagazin lernst du außerdem Betterov kennen, ein Künstler, der ebenfalls tiefsinnige Texte mit anspruchsvollen Songkonzepten verbindet. Oder du schaust auf unseren Social Media Kanälen TikTok, Instagram und Facebook vorbei. Dort versorgen wir dich mit aktuellen Infos, Gewinnspielen und den besten Events.

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Paula

Seit Ende 2024 bin ich Teil der Online-Redaktion. Neben dem Texten auf Deutsch begeistern mich außerdem Fremdsprachen: Englisch, Spanisch, sogar Arabisch habe ich mal ausprobiert. Generell probiere ich mich gerne aus. Ob Ballett tanzen oder Rappen, die langen Haare auf 5 Millimeter abrasieren, abenteuerliche Reisen durch Südamerika oder gemütliche Kochabende mit anschließender Häkelsession auf der Couch - count me in!