Newcomer-Check: Hazel Brugger

Wer ist das?

Die Schweizer sind ein ganz besonderes Volk. Die gängigen Klischees sagen ihnen Gelassenheit nach, Neutralität und Genauigkeit. Angeblich brauchen sie für alles etwas länger, sind aber sehr pünktlich, sie machen hervorragende Schokolade und wollen nicht genau wissen, von wem das Geld stammt, das sie so sorgsam in ihren Banken einlagern. Eines taucht in der Liste der Eigenschaften jedoch nicht auf: Humor. Hazel Brugger schickt sich an, das zu ändern. Auch wenn sie mit Statements wie „Wir Schweizer haben keine Emotionen, wir haben Geld“ in die gleiche Kerbe haut wie die Stammtischrunde eines beliebigen 200-Seelen-Dorfes, ist das bei ihr doch ungleich amüsanter. Der Züricher Tages-Anzeiger betitelte sie vor nicht allzu langer Zeit als „böseste Frau der Schweiz“. Das ist zweifellos ein Kompliment an die junge Slam-Poetin, Stand-Upperin und Kabarettistin.

Was macht sie?

Stoisch steht sie auf der Bühne, verzieht kaum eine Miene, erzählt von ihren Erlebnissen, als wäre sie im Stuhlkreis einer Selbsthilfegruppe. Hazel Bruggers Kabarett Schrägstrich Comedy ist weniger sensationsgierig als vielmehr bösartig pointiert. Ihre Beziehungstipps zielen etwa darauf ab, wie man den Partner dazu bringen kann, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen, um beide vor der endlosen Langeweile zu bewahren. Verbale Verhütung nennt sie das. „Liebe ist, wenn man sich so lange gehen lässt, bis man nicht mehr gehen kann“, so lautet das Credo der Zweierbeziehung aus Sicht von Hazel Brugger. Das ist abgrundtief böse, aber genau deswegen brüllend komisch. Bemerkenswert sind auch ihre Einsätze als Außenreporterin in der „heute-show“, wo sie verschiedene Parteien besucht und dort ihre nüchterne Schlagfertigkeit über den Vertretern der Politik ausleert.

Was ihr noch nicht wusstet:

Hazel Brugger ist, der von ihr ungeliebte Vorname könnte es verraten, nicht nur Schweizerin. Als Tochter eines Neuropsychologen und einer Englischlehrerin hat sie zwar keine US-amerikanischen Wurzeln, durch ihre Geburt im sonnigen San Diego aber einen solchen Pass. Den Anfang nahm ihre Karriere beim Poetry-Slam – eine Form von Kunst, die sie selbst liebevoll als die „Paralympics der Literatur“ bezeichnet, aber bei ihren Auftritten auf großen Bühnen ein bisschen vermisst. Die ungeschminkten Slam-Zeiten, als der Hauptpreis eine Flasche Schnaps war, sind allerdings vorbei: Hazel Brugger ist gefragter denn je.

Warum soll ich in ihre Show gehen?

Der Mensch steckt gerne Dinge in Schubladen. Da gibt es politisch motiviertes Kabarett, unterhaltungsorientierte Comedy und immer die gleichen Themen: Männer und Frauen, Ausländer und Deutsche, Merkel und wer immer gerade gegen Merkel antritt. Bei Hazel Brugger gibt es frischen Wind in tödlichen Dosen. Manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken, aber man hat keine Chance: Es kämpft sich die Luftröhre nach oben, um dann schließlich lauthals die Freiheit zu fordern. Wenn Hazel Brugger sagt „Ach, hört auf, ihr habt diese Gedanken doch auch“, dann muss man zugeben: Sie hat recht.

Die volle Dröhnung bösen Humors gefällig? Kein Problem. Termine und Tickets für Hazel Brugger gibt es bei Reservix.

Lena

Seit 2015 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, findet man mich am Grill, auf dem Pferd oder mit der Nase im Duden – nur selten alles gleichzeitig.

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