Pride Month: Der Ursprung

Farbenfrohe Fassaden, Schaufenster geschmückt mit Regenbögen und im warmen Sommerwind wehende Fahnen: Was läutet die sonnige Jahreszeit besser ein als die bunte Vielfalt des Pride Months Juni? Die Zelebrierung geschlechtlicher und sexueller Diversität ist bei Weitem kein ausländisches Phänomen. Auch in Deutschland wächst die solidarische Bewegung seit Jahrzehnten! Jedes Jahr finden in den meisten deutschen Großstädten Pride-Paraden und Feste statt.

Insbesondere die kreative Szene macht einen wesentlichen Bestandteil in der queeren Community aus, und das nicht ohne Grund. Neben Freddie Mercury und David Bowie (die beide offen mit ihrer Sexualität umgingen) traten Künstler:innen wie Prince und Mick Jagger gerne in Kleidung auf, die nicht zwingend den erwarteten Geschlechterrollen entsprach. Ihre weltweite Beliebtheit war ein bedeutsamer Fortschritt für die Akzeptanz der Community in jener Epoche. Doch die Wurzeln des Pride Months schlagen tiefer, und der Ursprung dessen ist alles andere als feierlich.

Stichtag 28. Juni 1969

Es begann in Greenwich Village, einer Nachbarschaft in New York City die damals bereits für ihre avantgardistische Kunstszene bekannt war – genauer gesagt im Stonewall Inn, einer Schwulenbar in der Christopher Street. Die Kneipe wurde schon oft zum Ziel von Razzien: Polizeiliche Durchsuchungen waren bei Schwulenbars keine Seltenheit, denn meist wurden sie unter dem Vorwand nicht ausreichender Schanklizenzen durchgeführt. Daneben standen homosexuelle Handlungen und Masquerading (sich öffentlich in der Kleidung eines anderen Geschlechts zu zeigen) unter Strafe. Deshalb wurden nicht nur die Mitarbeitenden der Bar verhaftet, sondern auch Drag Queens und Travestiekünstler:innen.

Doch das Blatt wendete sich am 28. Juni 1969, nachdem es erneut zu Festnahmen kam: Wie es sich genau abspielte, dass sich der Mob gegen die Polizeikräfte aufwog, ist unklar. Es endete jedoch darin, dass sich die Beamten in der Bar verschanzten. Auch Tage später hielten Unruhen quer im Viertel an.

Und Pride war geboren

Mit Stonewall als Dreh- und Angelpunkt für Aktivist:innen mitten in Manhattan kam eine Menschenrechtsbewegung zustande, die sich als historisch bewies: Zum Gedenken der Geschehnisse fanden nämlich 1970 am Jahrestag der Unruhen in den Metropolen New York, San Francisco und Los Angeles die ersten Gay Pride Marches statt. Beteiligte sammelten sich zu Straßenumzügen, in denen sie die Entkriminalisierung queerer Menschen forderten, sowie das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe und die Freiheit, sich straffrei in der Kleidung eines anderen Geschlechts zeigen zu können. Mit dem Motto Pride (engl. für „Stolz“) stellten sich die Protestierenden gesellschaftlichen Vorurteilen und Anfeindungen – welche seinerzeit mit Vertuschung und Scham behaftet waren.

Im darauffolgenden Jahr fanden diese Demonstrationen erneut statt – und das weltweit, unter anderem auch in West Berlin. Das Streben nach Gleichberechtigung stoppte auch nicht im Angesicht der HIV-Epidemie, woran auch die Kunst- und Musikszene durch das Herausfordern gesellschaftlicher Normen beteiligt war. Ab den 70er Jahren strichen immer mehr Nationen diskriminierende Paragraphen und zur Jahrtausendwende kürte US-Präsident Clinton erstmals den Juni als Pride Month. Seither gehen weltweit Menschen auf die Straße, um Flagge zu zeigen.

Wie ist hier die Lage?

Auch Deutschland tilgte ähnliche Gesetze erst lange nach Kriegsende – Überreste der Verfolgung homosexueller und trans*-Personen in der NS-Zeit. Die Diktatur war nämlich ein herber Rückschlag für die Fortschritte des wissenschaftlich-humanitären Komitees: In der Weimarer Republik gründeten Forschende die weltweit erste Organisation, welche sich für die Gleichberechtigung queerer Menschen erfolgreich einsetzte. Heutzutage dürfen schwule Männer zum Beispiel nur unter strengen Bedingungen Blut spenden. Ebenso müssen transgeschlechtliche Menschen hierzulande einen langen und teuren Gerichtsprozess in Kauf nehmen, um ihren Namen und Personenstand amtlich ändern zu können.

Dennoch gibt es Grund zu feiern: Seit 2017 können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten, zwei Jahre später folgte das dritte Geschlecht. Auch gesellschaftlich steigt die Akzeptanz der LSBTI*-Community: Immer mehr Promis bekennen sich öffentlich zu ihrer Identität, wie zum Beispiel Kabarettist Kay Ray, Sängerin Kerstin Ott oder Popstar Woodkid! Wie du siehst ist schon einiges geschafft, auch wenn es in puncto Gleichberechtigung noch Luft nach oben gibt. Der Pride Month bietet dafür eine wichtige Grundlage, um auch in Zukunft auf die Thematik Aufmerksamkeit zu lenken. Die Vielfalt der queeren Community ist nämlich nicht nur eine Bereicherung für die kreative (Musik-) Szene, sondern auch im alltäglichen Leben und Miteinander!


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Samuel

Seit 2020 werde ich bei Reservix zum Fachinformatiker ausgebildet, und schnuppere für eine kurze Zeit in der Redaktion als Gastautor rein. Neben der Technik liegt mir auch die LGBT*-Community sehr am Herzen - quasi der Que(e)reinsteiger aus der IT.

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