Rock ist nicht gleich Rock: Spielarten eines riesigen Genres

Kaum ein anderes Musikgenre ist weltweit so allgegenwärtig vertreten wie Rock. Ob in seiner reinen Urform, verdeckt hinter Grunge und Britpop oder eben als Beigabe zu anderen Genres wie Pop, Indie und Co. – ohne Rockmusik wären diverse Musikrichtungen überhaupt nicht denkbar. Welche Unterschiede gibt es also in den Spielarten eines so breitgefächerten Genres? Wir haben für euch nachgeforscht!

Die Genese des Rock ’n‘ Roll 

In den 40er- und 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts etablierte sich eine musikalische Gattung, die fortan zum Grundstein des heutigen Rocks werden sollte. Aus sogenannten Black music Genres wie beispielsweise Rhythm and Blues, Gospel sowie Country (ja, Country wurzelt tatsächlich in afroamerikanischer Musiktradition) entwickelte sich der Rock ’n‘ Roll. Dabei gilt als umstritten, welcher Song als das „Original“ der Gattung gewertet wird. Gewiss ist aber, dass „There Are Strange Things Happening Every Day“ (1944) von Sister Rosetta Tharpe sowie „That’s Allright“ (1946) von Arthur Crudup zu den frühesten Studioaufnahmen zählen. 

 

Interpreten wie Buddy Holly und Elvis Presley machten den Rock ’n‘ Roll weltweit zu einem popkulturellen Phänomen, das bis heute Generation um Generation von Musikbegeisterten prägt. Der Begriff wurde übrigens vom Radio-DJ Alan Freed verbreitet und hat zweierlei Bedeutung: Abgeleitet von der Bewegung eines Schiffdampfers im Meer, der sich per „rocking and rolling“ fortbewegt, diente der Ausdruck einerseits zur Beschreibung von Kirchgängerinnen und -gängern, die mit inbrünstigem Hin- und Herbewegen den Gospel sangen. Andererseits ist mit rock ’n‘ roll eine sexuelle Anspielung gemeint.

 

Für wahre Rock ’n‘ Roll Fans mag wohl kaum etwas so famos sein wie die mitreißende Energie eines Live-Konzerts. Wie gut, dass dies bei Events wie „Buddy in Concert – Die Rock ’n‘ Roll Show“ oder bei Auftritten von The Firebirds möglich wird.

Rock and Surf

Vor den Beach Boys waren es Interpreten wie Duane Eddy, Link Wray und The Ventures, welche die Rock and Surf Welle der 60er-Jahre ritten. Um ein quasi „nasses“ reverb zu erzielen, ist rock ’n‘ surf von schnellem alternate picking an der Gitarre geprägt, nicht zuletzt beeinflusst durch mittelöstliche und mexikanische Musiktraditionen. The Beach Boys erreichten den größten kommerziellen Erfolg des Genres. Wenn auch vorzugsweise die ersten Studioalben „Surfin‘ Safari“ (1962) und „Surfin‘ U.S.A“ (1963) zu nennen sind: Mit den Jahren wurde die kalifornische Band, bestehend aus Brian Wilson, Mike Love, Dennis und Carl Wilson sowie David Marks nämlich immer poppiger. Ein zeitgenössisches Beispiel für Surf Rock ist übrigens der amerikanische Singer-Songwriter Jack Johnson.

Progressiv und Psychedelisch

Die 60er- und 70er-Jahre waren der reine Nährboden für künstlerische Experimente jeglicher Couleur: darunter Pop-Art, Happenings, Fluxus – so war diese Ära auch musikalisch enorm fruchtbar. Neue Mischformen wie Blues, Jazz, Garage oder auch Folk Rock, vorgetragen von Musikerinnen und Musikern wie dem Kanadier Neil Young, machten sich einen Namen. Die Experimentierfreude wurde unter anderem durch neu entdeckte Rauschmittel gefördert, die letztlich diverse Künstlerinnen und Künstler wie Janis Joplin, Jimi Hendrix und selbst die Beatles in ihrer späten Phase prägten. Was dabei herauskam, waren progressive und psychedelische Klänge, die beim legendären Woodstock-Festival 1969 ihren Höhepunkt auf der Live-Bühne fanden.

Hard & Glam Rock

Zwei Subgenres, die wie Zwillinge demselben Ei entspringen und dennoch nicht gegensätzlicher sein könnten. Hard und Glam Rock entstanden mehr oder weniger gleichzeitig. Im Sound haben sie allerdings wenig gemein. Hard Rock entstand in den 70ern mit Interpreten wie The Who, The Kinks, Cream und vielen weiteren. Signifikant sind vor allem „harte“ Gitarrenriffs und -soli, die dominieren. 

Anders steht es mit dem Glam Rock: Der Glam-Faktor setzt sich dabei einerseits aus pompösem Einsatz theatraler bzw. opernhafter Elemente in der Musik und andererseits aus dem schillernden, fashionablen Auftreten der Rockacts zusammen. So ist es kein Zufall, dass wir neben der mehrere Oktaven fassenden Stimme Freddie Mercurys auch seinen denkwürdigen Sinn für Mode bis heute zelebrieren. Glam Rock wurde besonders von Queen, aber teils auch von den Rolling Stones, vertreten. Ein Beispiel aus heutiger Zeit: die Band The Darkness. 

 

Christliche Rockmusik

Es ist nahezu ironisch, wenn man bedenkt, dass der Ausdruck rock ’n‘ roll etymologisch sowohl einem christlichen als auch einem sexuellen Habitus entstammt. Dennoch hat sich in all den Mischformen, die Rock zu bieten hat, eine weitere als außerordentlich populär etabliert. Christliche Rockmusik vereint im Grunde soft rock mit religiösen Lyrics, die entweder den Glauben an Gott manifestieren oder Bibelszenen nachsingen. Katy Perry – die Pop-Queen, die mit „I Kissed A Girl (And I Liked It)“ zum Weltstar wurde – startete ihren musikalischen Werdegang tatsächlich mit christlichem Rock, der ziemlich catchy klingt:

New Wave

Blondie, Talking Heads, The Runaways und Joy Division sind nur wenige der vielen glorreichen Namen, die hinter dem Genre New Wave stehen. Dieses ist irgendwo zwischen einer soften Variante des Punk Rock und Pop situiert, kommt also mit einer gewissen stilistischen Komplexität daher. Im Endprodukt schwingt teils ein Hauch Melancholie mit, die einerseits das trübselige Gefühl grauer Tage repräsentiert und andererseits ebendiese Trübsal verwischen lässt. Denn der rhythmische Beat geht durchaus in die Beine, die sich der Tanzfläche so nur schwer verwehren können. Zudem ist New Wave bedeutsam, da er wiederum unter anderem den Indie-Rock prägte, wenn nicht sogar ermöglichte. 

 

Indie-Rock

Was letztlich als „Indie“-Musik gewertet wird, ist kein Leichtes. In unserem Artikel „Die feinen Unterschiede: Indie vs. Alternative“ haben wir es gewagt, eine grobe Definition aufzustellen. Diese besagt folgendes: Independent steht ursprünglich für die Musik, die unabhängig der weltmarktführenden Major Labels produziert wurde – im wirtschaftlichen und stilistischen Sinne. Aufgrund des Rock ’n‘ Roll Erbes dieser Label, ist Indie heute dem Independent-Rock gleichgestellt. Genauer: Aus R’n’B wurde Rock ’n‘ Roll wurde Indie-Rock.

Wenn sich die Geister bei der Definition auch scheiden mögen, Indie-Rock erfreut sich seit über drei Jahrzehnten größter Beliebtheit. Längst schon ist das Genre auch im Mainstream ansässig. So transportieren grandiose Acts wie BONAPARTE, Beatsteaks oder Raum27 ein Lebensgefühl von „Forever Young“.

 

Neo, Post & Revival – Im Zeitalter des Zitats

Anhängerinnen und Anhänger des sogenannten Poststrukturalismus gehen davon aus, dass alle Formen und Inhalte bereits existieren, sodass dem postmodernen Artist dementsprechend nichts anderes übrig bleibt, als Altbekanntes zu reproduzieren und neu zu kombinieren. Werfen wir einmal einen Blick ins heutige Geschehen der Rockmusik, wird schnell deutlich, dass sich junge Künstlerinnen und Künstler durchaus etwas bei ihren Idolen abgucken. Das Ergebnis sind großartige Revival-Projekte wie „Rock Rising – The Supreme Classic Rock Show from Ireland“ oder „Masters of Rock“

Blickt man einmal genauer auf die Geschichte der Rockmusik zurück, wird vor allem ersichtlich, wie enorm diese von traditionellen Musikrichtungen anderer Kulturen geprägt wurde. Ob afro- und südamerikanisch, arabisch oder, oder, oder, die heutige Rockmusik wäre ohne die Einflüsse der Weltmusik nicht denkbar. Wie vielfältig das Genre letztendlich ist, zeigt nicht bloß die schiere Anzahl an Subgenres, sondern die Tatsache, dass die Kombinationsmöglichkeiten bis heute nicht ausgeschöpft sind. So bedienen sich kommende Generationen weiterhin der Grundelemente einer Gattung, die geradezu unsterblich scheint.

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Musa

Seit 2017 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, verbringe ich im flackernden Kerzenschein einsame Stunden an meiner Schreibmaschine, um humanistische Liebesgedichte und Fanbriefe an Paul McCartney zu verfassen. Gerne auch zu einem Gläschen Malzbier.

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