Trickkleider, große Stimmen und tanzbare Tracks: Der ESC 2018

Eurovision Song Contest

Der ESC ist wieder da! Ab dem 08. Mai 2018 wird in zwei Semifinals und dem großen Finale wieder geschmettert und geschmachtet. Unvergessen sind die Siege von Masken-Metal-Band Lordi und die Auftritte der fleischgewordenen Diskokugel Verda Serduchka oder der tanzenden Omas aus Russland. Mittlerweile kommt aber auch der ESC in der Jetztzeit an und wartet mit allerhand aktuellen Sounds auf. Wir haben uns für euch auf die Suche nach den interessantesten Kandidaten gemacht.

Tschechien: Mikolas Josef “Lie To Me”

Absolut tanzbar und sehr modern präsentiert sich dieses Jahr Tschechien mit dem erst 22-jährigen Schauspieler, Model und Sänger Mikolas Josef. Schon bei den ersten Takten wird das Publikum denken, es wäre mal eben aus der ESC-Halle in irgendeinen angesagten Prager Club gebeamt worden. Das Saxofon-Sample brennt sich in den Gehörgang, der Beat lässt nicht nur die Beinnerven von Mikolas zucken. Vergleiche zu Justin Timberlake sind da kein PR-Trick, sondern naheliegend. Der junge Tscheche könnte es nicht nur in den Augen der Experten weit bringen.

Schweden: Benjamin Ingrosso – „Dance You Off“

Es ist kein Wunder, dass der Rest der Welt glaubt, alle Schweden wären wunderschön: Schließlich stellen sie seit dem Sieg von Mans Zelmerlöw ein ums andere Jahr einen schmucken Kerl auf die Bühne, der mit einem eingängigen Song meist weit oben landet. 2018 ist keine Ausnahme von diesem Konzept: Benjamin Ingrosso entspricht dem gängigen Schönheitsideal, seine Uptempo-Nummer „Dance You Off“ wartet mit klaren Beats und Synthieklängen auf. Manche werden das langweilig finden, aber das hat die Chancen auf den Sieg noch nie geschmälert.

Norwegen: Alexander Rybak – „That’s How You Write a Song“

Moment mal. Rybak, Rybak, kommt uns das nicht bekannt vor? Allerdings, denn der Norweger holte bereits 2009 mit „Fairytale“ den Sieg – 169 Punkte Vorsprung zu seinen Konkurrenten war damals ein Rekord. Dass er jetzt wieder antritt, wird nicht unkritisch betrachtet, denn Rybak setzt auf das altbekannte Konzept: Breites Lächeln und Geigensound. Der Song tut gut und nicht weh, ist aber auch nichts, was im Gedächtnis bleibt. Es wird sich zeigen, ob das Altbewährte den Norwegern einen guten Platz beschert.

Israel: Netta Barzilai – „Toy“

Wenn der Song startet, könnte das Kieksen, Zungenrollen und die Imitation von Hühnerlauten den einen oder anderen älteren Zuhörer verschrecken. Das ist schade, denn der Sound von Netta Barzilai ist nicht nur speziell, sondern geht auch sehr groovig ins Ohr. Die israelische Sängerin erinnert ein wenig an Beth Ditto und wurde vor allem von der Jury der Vorauswahl zum Sieg gepusht. Zu Recht: Aktuell steht das bunt-schrille und durchaus emanzipierte „Toy“ in den Wettbüros unangefochten auf Platz 1.

Estland: Elina Nechayeva – „La Forza“

Bei all den beat-lastigen und überraschend modernen Beiträgen mag man sich fragen: Wo bleiben denn nun die bedeutungsschweren Kompositionen, die Effektklamotten und die großen Stimmen? Hier: Mit Elina Nechayeva, sonst Sängerin an der Oper in Tallinn. Das italienischsprachige „La Forza“ kommt mit Wagenladungen an Pathos um die Ecke, die Sängerin ist bildhübsch, auf dem Kleid ist in Sachen Lightshow eine Menge los. Der Beitrag wird hoch gehandelt, aber es bleibt abzuwarten, ob die ewiggleichen Elemente das Publikum nicht langweilen.

Deutschland: Michael Schulte – „You Let Me Walk Alone“

Der Erfolg ist bei uns seit Lenas Sieg 2011 als vermisst gemeldet, wenn es um den ESC geht. Ob Manga-Mädchen Jamie Lee, Folk-Trio Elaiza oder zuletzt 100-Watt-Strahlefrau Levina – keiner von ihnen brachte uns genug Punkte für die oberen Plätze. Offenbar wollte man im Sinne der Gleichberechtigung nun wieder einem Mann die Chance geben: Beim Vorentscheid siegte Michael Schulte, in grauer Vorzeit mal Platz 3 bei „The Voice of Germany“, seither Singer-Songwriter. Sein Titel „You Let Me Walk Alone“ ist berührend, vor allem, weil er sich um Schultes früh verstorbenen Vater dreht. Hoffen wir, dass das für einen guten Rang reicht.

Und sonst so? Erwähnenswert sind noch die Dänen, die mit dem gesichtsbehaarten Sänger Rasmussen und „Fluch der Karibik“-Show ins Rennen gehen, außerdem die bulgarische Formation „Equinox“, die mit dem düster-poppigen „Bones“ sicherlich den Zeitgeist trifft. Dann ist da der irische Ryan O’Shaughnessy, der mit Jungencharme und Ed-Sheeran-Sound punkten könnte, genau wie die gewohnt routinierte Australien-Abgesandte Jessica Mauboy. Wer von all diesen Kandidaten am Ende am häufigsten die „Twelve Points“ abräumt? Wir sind gespannt!

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Lena

Seit 2015 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, findet man mich am Grill, auf dem Pferd oder mit der Nase im Duden - nur selten alles gleichzeitig.

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