Unheimliches Deutschland: Gruselsagen aus deiner Region

Die schaurigsten Gruselsagen

Deutschland ist allgemein bekannt für seinen großen Sagenschatz. Dass nicht jede Folklore ein gutes Ende haben muss, haben uns schon die Gebrüder Grimm in ihren Kinder- und Hausmärchen von 1812 bewiesen. Hier kommt eine Auswahl der schaurigsten Gruselsagen, die dich nicht nur zu Halloween in die richtige Spukstimmung versetzen.

Niedersachsen: Der Rattenfänger zu Hameln

Es war das Jahr 1284, da quälte eine Ungezieferplage die niedersächsische Stadt Hameln. Eines Tages kreuzte ein sonderbarer Fremdling in bunten Kleidern auf und bot an, die Mäuse und Ratten gegen ein gewisses Handgeld zu beseitigen. Man willigte ein und der fremde Retter begann seine merkwürdige Prozedur. Er zückte seine Flöte, auf der er wundersame Melodien spielte. Daraufhin folgten ihm die kriechenden Plagegeister bis in die strömende Weser, in der sie allesamt ertranken. Stolz, seinen Auftrag feinsäuberlich ausgeführt zu haben, kehrte der Rattenfänger zurück ins Dorf. Jedoch weigerte sich das Volk, ihn zu bezahlen. So machte sich der gedemütigte Mann am 24. Juni, dem Tag des Täufers Johannes, um 7 Uhr in der Frühe auf und ließ erneut sein Flötenspiel ertönen. Diesmal folgten ihm aber keine Tiere, sondern jegliche Kinder des Dorfes. Bis auf den Poppelberg soll er die 130 Jungen und Mädchen geführt haben, die man seit diesem Tag nie wiedersah. Zur Erinnerung an das ungeklärte Verbrechen ermahnen zwei Steine in Kreuzform die Wandernden auf dem Berg zu Hameln. Die Gruselsage ist sogar im Stadtbuch verzeichnet.

Bayern und Thüringen: Die wilde Bertha

Viele mögen sich an die schaurige Warnung ihrer Eltern erinnern, wenn man seinen Teller mal nicht aufgegessen hatte: „Iss auf, sonst gibt es morgen schlechtes Wetter“ zum Beispiel, musste man sich in Kindertagen anhören. Dabei kannst du dich noch glücklich schätzen. Wenn die Kleinen in Schwaben, Franken und Thüringen sich widerspenstig am Küchentisch anstellten, drohte man ihnen mit der wilden Bertha. Eine grausige Frauengestalt mit zotteligem Haar, einer verzerrten Grimasse und zerlumpter schwarzer Kleidung, die widerwilligen Kindern das Bäuchlein aufschlitzt. Sie nimmt ihnen das wenig Aufgegessene heraus und näht die Narbe mit einer Pflugschar und Röhmkette wieder zu, was nicht ohne qualvolle Schmerzen geschieht.

Baden-Württemberg: Die Schlafende Schöne

Auf dem Alten Friedhof in Freiburg Herdern liegt ein Grabmal, das ein schlummerndes Mädchen auf ihrem Totenbett zeigt. Kunstvoll in Stein gemeißelt, fällt ihr wallendes Haar um ihre zarten Schultern und in ihrer Rechten hält sie ihre vermeintliche Nachtlektüre. Dort gebettet liegt seit 150 Jahren die schlafende Schöne. Caroline Christine Walter, auch „Menschenblume“ genannt, soll zu Lebzeiten so schön gewesen sein, dass alle Vorbeiziehenden inne hielten und sie betrachten mussten. Viele Verehrer und zahlreiche Neiderinnen ließ das Mädchen nach ihrem frühen Tod zurück. Denn Caroline starb im Alter von 16 Jahren an Tuberkulose. Der Schauderfaktor an der Gruselsage: Täglich liegt eine frische Blume auf ihrem Grabstein, von der niemand weiß, woher sie kommt oder von wem sie stammt. So munkeln die Freiburgerinnen und Freiburger, dass es sich beim Blumenboten womöglich um einen Verehrer der Schönen handeln könnte. Aber müsste dieser 150 Jahre später nicht auch längst schon verstorben sein?

Deutsche Küsten: Klabautermann

Wer in einer deutschen Stadt am Wasser wohnt, also an Nord- und Ostsee oder in einer Hansestadt wie Hamburg, Bremerhaven oder Lübeck, mag schon mal vom Klabautermann gehört haben. Der kleine Kobold schleicht des Nachts auf Schiffen herum und sorgt für Angstschweiß in den Kajüten. Dabei ist er ein guter Geist, der vor Gefahren und undichten Stellen am Schiff warnt. Hört man sein Wimmern beispielsweise am Schiffsrumpf, sollte man schnell sicherstellen, dass dort nichts leckt. Bekommt man die Figur dieser Gruselsage zu Gesicht, könnte es für die Rettung bereits schon zu spät sein. Ob sich der Schiffsgeist auch dem Kapitän der Titanic gezeigt hat? Wahrscheinlich nicht, denn sein Revier ist die deutsche Ostsee.

Deutsche Wälder: Gruselsagen um die Irrwische

Ein Wanderer zieht durch den weltberühmten deutschen Wald, als er plötzlich ein seichtes Schimmern in der Ferne sieht. Er reibt sich die Augen, prüft ein zweites Mal die Erscheinung in der Ferne. Alles, was er hört, ist das Brechen der Zweige unter seinen Füßen. Um ihn ist nichts als die Schwärze des Dickichts, denn es ist mitten in der Nacht. Der Wanderer folgt dem Licht blind, ohne Fragen zu stellen. Unter ihm wird der Boden immer weicher und er sinkt schon Zentimeter tief ein, ohne es wahrzunehmen. Plötzlich verschwindet das Licht, er bleibt im Moor stecken, ohne Aussicht auf Rettung. Bei einem Irrwisch soll es sich um eine Leuchtgestalt handeln, die sich auf Friedhöfen und in Wäldern bemerkbar macht, um die Menschen in die Irre zu führen. Ob es Kobolde, Naturgeister, Dämonen oder einfache lumineszierte Gase sind, weiß bis heute niemand.

In die richtige Halloween-Stimmung gekommen?  Los geht’s!

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Musa

Seit 2017 bin ich Teil des Reservix-Teams. Wenn ich nicht für das Ticketmagazin schreibe, verbringe ich im flackernden Kerzenschein einsame Stunden an meiner Schreibmaschine, um humanistische Liebesgedichte und Fanbriefe an Paul McCartney zu verfassen. Gerne auch zu einem Gläschen Malzbier.

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